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Jul 29th
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2. Wie nützlich es und verdienstlich es ist, den Armen Seelen zu helfen! PDF Drucken E-Mail

der zweite nutzen

Der zweite Nutzen und Vorteil besteht darin, dass derjenige, welcher fleißig für die Armen Seelen betet, sich trösten kann, er werde von Gott Barmherzigkeit erlangen. Denn wir haben das eigene Wort und die Versicherung von Jesus, der sprach:
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Jesus kann nicht lügen noch betrügen, sondern wird sein Wort ohne Zweifel wahr machen. Nun aber ist keine Barmherzigkeit größer, als wenn jemand den Armen Seelen im Fegefeuer Gutes tut. Die Werke der leiblichen Barmherzigkeit sind sieben. Ein jedes dieser guten Werke ist ein sehr verdienstliches Werk, und wird von Gott reichlich belohnt. Wer nun für die Armen Seelen betet oder sonst ein gutes Werk für sie verrichtet, der übt nicht allein eins, sondern alle sieben von diesen Werken der Barmherzigkeit zugleich.
  1. Das erste Werk der Barmherzigkeit ist: Die Hungrigen speisen. - Es leidet kein Mensch auf Erden größeren Hunger, als die Armen Seelen im Fegefeuer, besonders diejenigen, welche sich auf Erden im Genuß der Speisen versündigt haben. Wer nun für eine Arme Seele betet, der erquickt mit seinem Gebet ihr mattes Herz, und bewirkt, dass sie, wenn auch ihr Hunger nicht ganz gestillt wird, dennoch eine Stufe näher zur himmlischen Mahlzeit zu gelangen.
  2. Die Durstigen tränken, ist ein verdienstliches Werk der Barmherzigkeit, besonders wenn man einem Kraftlosen um Gottes willen einen Schluck Wein gibt. Wer aber leidet größeren leiblichen und geistigen Durst, als die Armen Seelen, besonders jene, die sich im übermäßigen Trinken versündigt haben? So oft man für sie betet, so oft kühlt man ihre lechzende Zunge und bringt sie allmälig dem Brunnen der himmlischen Wonne näher.
  3. Die Nackten bekleiden, ist ein verdienstliches Werk, besonders, wenn ein Armer zur Winterzeit wegen seiner Blöße die schlimmste Kälte erleidet. Nun aber leidet niemand größeren Mangel an geistiger Kleidung (Verdiensten), als die Armen Seelen im Fegefeuer, und niemand erduldet größere Kälte, als eben sie, besonders die, die in der Liebe Gottes und des Nächsten kalt, und in der Übung des Guten träge gewesen sind. Wenn du nun aus Mitleid diesen Armen Seelen zur Hilfe kommst, so linderst du ihre übermäßige Kälte und hilfst sie bekleiden mit jenem hochzeitlichem Kleid, mit welchem sie am Tage der Erlösung vor Gott erscheinen werden.
  4. Die Gefangenen erlösen, ist ein großes Werk der Barmherzigkeit, besonders, wenn sie in einem schlimmen Gefängnis liegen und sich selbst wegen ihrer Armut oder aus Mangel an guten Fürsprechern nicht befreien können. Ach Gott! wer liegt wohl härter gefangen und gebunden, als die Armen Seelen, welche in dem Gefägnis der göttlichen Gerechtigkeit mit unzerreißbaren Ketten liegen? Sie haben ja auch nicht einen einzigen Heller, um sich los zu kaufen, und leider auch wenige, ja oft gar keine Fürsprecher, welche um ihre Befreiung anhalten. Wenn du nun aus Barmherzigkeit dich deines Verdienstes beraubst und es Gott zur Erlösung der Armen Seelen aufopferst: welch ein großes Werk der Barmherzigkeit verrichtest du dann! Welchen großen Dank verdienst du bei Gott und bei denjenigen Seelen, welche du erlöst hast!
  5. Die Kranken besuchen, ist ein großes Werk der Barmherzigkeit, besonders wenn es ganz arme verlassene Kranke sind. Gibt es aber ärmere, leidendere und verlassenere Kranke, als eben die schwer leidenden Armen Seelen? Ja wahrhaft kranke, leidende, ganz verlassene Seelen! Wenn du für eine solche Arme Seele betest, so tust du ebenso viel, als wenn du sie besuchst und sie in ihrem Elend tröstest. Denn ihr Schutzengel steigt zu ihr herab und erzählt ihr, was du Gutes für sie getan hast, und tröstet sie durch die Hoffnung, daß ihre Leiden allmälig enden werden.
  6. Die Fremden beherbergen, ist ein großes Werk der Barmherzigkeit, besonders wenn sie sonst unter dem freien Himmel liegen, und vor Elend verschmachten müssen. Wer ist nun aber mehr ein Fremdling und von seiner Heimat entfernt, als die vom Himmel noch ausgeschlossenen und in der Verbannung lebenden Armen Seelen? In diesem ihrem Elend leiden sie namenlose Not und verschmachten vor Sehnsucht. Nun diesen Armen Seelen zur himmlischen Heimat verhelfen, und sie durch das Gebet in die himmlische Wohnung einführen, ist doch wohl ein großes verdienstliches Werk!
  7. Die Toten begraben, ist ein Werk der Barmherzigkeit, besonder wenn du mir der Leiche eines Armen gehst und fleißig für die Seele betest. Die Armen Seelen im Fegefeuer aber sind schon begraben und liegen in dem finsteren Kerker "begraben". Eine solche Arme Seele aus ihrem Grabe erlösen, und sie zum Leben der Glorie auferwecken, ist ein verdienstlicheres Werk, als einen Toten begraben.
Hieraus erkennst du, dass du, so oft du für die Armen Seelen betest, oder ein Almosen für ihre Erlösung spendest, jedes Mal die sieben leichlichen Werke der Barmherzigkeit verübst.
 
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