| Von der Kraft des Gebetes für die Verstorbenen |
von der Kraft des gebetes für die verstorbenen
"Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke," sagt die heilige Schrift (II. Makk. 12, 45), "für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden befreit werden."
Es ist heilig, weil es Gott sehr wohlgefällig ist, und heilsam, weil es bei der allerbarmenden Güte Gottes seien hohen und wohltätigen Zweck nicht verfehlt; denn unter allen Opfern gefallen Gott keine mehr, und keine gereichen ihm zu größerer Ehre, als die Opfer der Barmherzigkeit und der Liebe, vorzüglich wenn sie für diese leidenden Seelen verrichtet werden, die er zärtlich liebt, indem sie heilig sind und der Himmel ihnen schon zugesichert ist. Da sie nämlich durch seine Gerechtigkeit noch in den Flammen des Fegefeuers zurückgehalten werden, bis sie gereinigt sind, so läßt er die Gebete, die wir liebend für sie zu ihm abschicken, gern zu ihrer Sühnung gereichen; und da diesen, wenn sie auch nur zeitliches betreffen, von Jesus Christus gewisse Erhörung versprochen ist, wie viel kräftiger und sicherer müssen sie erst wirken, wenn sie selbst seine für die ganze Ewigkeit auserwählten Bräute, die einst an allen seinen Gütern und seiner Glückseligkeit teilnehmen sollen, zum Gegenstand haben! Es sagt daher der hl. Augustinus, daß es keine frömmere und heiligere Beschäftigung gebe, als für die Verstorbenen zu beten." ermahnung für die verstorben zu beten, von thomas von kempenWir sollen gern für alle Verstorbenen beten, vorzüglich aber für unsere Eltern, Freunden und Wohltäter, weil dies ein Werk sehr großer Liebe und Barmherzigkeit ist. Sowie wir alle wünschen, dass man uns einst nach dem Tod zu Hilfe kommt, so müssen wir uns bemühen, auch ihnen mit der Gnade Gottes, soviel wir können, zu helfen. Denn derjenige, der für die Befreiung der Armen Seelen eifrig und treu ist, verschafft sich selbst den größten Nutzen, weil er sich, da er für sie betet, keineswegs der Frucht seines Gebetes beraubt und außerdem dadurch heilsam an den Tod erinnert wird. Auch wird er kaum jemals ohne die Gnade der innerlichen Sammlung zu seinen gewöhnlichen Geschäften zurückkehren, indem er weiß, dass wir alle den nämlichen Weg des Fleisches gehen werden müssen und dass, was jene jetzt überstanden haben, ihm ebenfalls ganz gewiß bevorsteht. Laßt uns daher für unsere Lieben beten, weil wir ihnen in kurzer Zeit folgen werden, und sie dann, wenn sie erlöst sein werden, sich unser in der gleichen Drangsal gewiß ebenfalls erinnern werden! Unser Glaube sei nicht bloß im Mund, und wir sollen nicht nur auf das sehen, was uns vor Augen ist, sondern wir sollen allen Liebe erweisen, mögen wir ihnen dann körperlich gegenwärtig oder abwesend sein. Denn die Liebe hört nimmermehr auf!" (1. Kor 13)
und diejenigen, die einander wahrhaft lieben, werden einander nicht vergessen können.
Der treue Freund wird in der Not erkannt. Wäre es denn nicht gottlos und gar zu grausam von dir, wenn du deinen Bruder oder Freund in einen Kerker oder in ein Feuer geworfen sähest und dadurch nicht zu Tränen gerührt würdest, oder gar, wenn du ihm die Hand reichen könntest, ihm diese Liebe nicht erweist und, wenn du ihn auch mit einigen Worten befreien könntest, mit stummem Mund vorübergingst. Laßt und daher oft für die Toten unsere Hände zum Himmel erheben und ihnen alles, was wir zu ihrer Erlösung für nützlich erkennen, mit frommer Gesinnung erweisen, indem wir bedenken, welche schrecklichen Qualen sie leiden und dass sie nicht zur Ruhe gelangen können, bevor sie gereinigt sind! vom eifer, mit dem man für die verstorbenen beten soll
Wir müssen wohl acht haben, unser Gebet für die Verstorbenen mit Eifer zu verrichten. Denn bedenke man doch mit welcher Beflissenheit man handeln würde, wenn es darum ging, eine Person, die uns sehr lieb wäre, wie z.B. einen Vater, eine Mutter, ein Kind, usw. in diesem Leben von der Todesstrafe zu befreien; und dann erwäge man, wie unser Gemüt gestimmt sein sollte, wenn wir für Seelen beten, die uns nicht weniger wert sein können und welche in den schrecklichsten Flammen der Strafgerechtigkeit Gottes brennen! Gewiß sollte dies unter Tränenströmen geschehen; möchten wir es wenigstens mit einer wahren, herzlichen Rührung tun!
Boudon sagt, ein Psalm, auf diese Weise gebetet, wirke mehr, als sonst fünfzig, die nachlässig hergesagt werden. Deswegen sind die kurzen Stoßgebetlein sehr kostbar und empfehlenswert, durch welche man z.B. das Blut Jesu mit heiliger Insbrunst aufopfert, die Fürbitte Mariens und der Heiligen usw., was den Tag über oft und zwar ohne Mühe, wie z.B. beim Stundenschlag, geschehen kann. Denn erstaunlich sind hier die Wirkungen eines eifrigen Gebetes und tröstlich die Verheißungen, die demselben von der unendlich großen Güte Gottes gegeben sind. Er tut, wie der königliche Prophet sagt, den Willen derjenigen, die ihn fürchten, und erhört ihr Gebet und erlöst sie (Ps. 144, 19). Und der hl. Jakobus sagt (Jak. 5, 16): Das beharrliche Gebet des Gerechten vermag vieles."Auch Jesus spricht (Joh. 15, 7): Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so bittet, um was ihr immer wollt, es wird euch gegeben werden."Traurig hingegen sind die Erfahrungen über das nachlässige und das in Sünde verrichtete Gebet. beispiele über den gebetseifer der heiligen für die verstorbenen
Der hl. Bischof und Kirchenvater Ambrosius sprach in seiner Trauerrede über den römischen Kaiser Valentinian mit heiligem Eifer:
"Laßt uns die heiligen Geheimnisse für denjenigen darbringen, dessen Verlust wir beweinen! Laßt uns mit glühender Andacht für seine Seelenruhe beten... Erhebt eure Hände mit mir, damit wir wenigstens durch diese Pflichterfüllung einen Beweis unserer Dankbarkeit für die empfangenen Wohltaten geben können." Dann an dessen früher verstorbenen Bruder Gratian erinnernd: "Ihr werdet beide selig sein, wenn meine Gebete etwas vermögen. Ich werde keinen Tag vorübergehen lassen, ohne mich eurer zu erinnern. Jede Nacht werdet ihr der Gegenstand meines Flehens sein. An allen meinen Opfern werdet ihr teilnehmen. Wenn ich euch vergesse, so soll auch meine Rechte vergessen sein." So sprach er auch das folgende Gebet in der Trauerrede auf den Kaiser Theodosius den Großen: Gib deinem Diener Theodosius eine vollkommene Ruhe, jene Ruhe, welche du deinen Heiligen bereitet hast. Ich werde von meinen Tränen und Bitten nicht ablassen, bis ich ihn hinführe auf den heiligen Berg des Herrn, wohin ihn seine Verdienste rufen."Mit gleichem Eifer brach einst der hl. Abt und Kirchenlehrer Bernhard in folgende Worte aus: Auf, ihnen zu helfen! Ich will den Herrn mit Wehklagen beschwören, mit Seufzern will ich n ihn dringen; mit meinen Gebeten will ich ihr Fürbitter sein; ich will zu ihrer Beruhigung ein besonderes heiliges Meßopfer darbringen, in der Hoffnung, dass der Herr sie seines gnädigen Blickes würdigen, ihre Qualen in Ruhe, ihr Elend in Glorie und ihre Peinen in Lohn verwandeln wolle. Durch solche und ähnliche Werke kann ihre Bußzeit abgekürzt, ihr Müsahl geendet und ihre Qual aufgehoben werden. Durchlaufe, gläubige Seele, welche du immer bist, diese Gefilde der Abbüßung und betrachte, was darin vorgeht. Mache auf diesem Markt deinen Ankauf zu Werken der Barmherzigkeit." |